In der Osternacht ging es heiß her. Jugendübernachtung im Gemeindehaus.

- 05.04.2026 - 

Ein Feuer wurde entzündet, ein anderes gelöscht.

Quelle: M. Waldenburger

In vielen Gemeinden gibt es lieb gewonnene Traditionen. So natürlich auch bei uns. Zum Beispiel die Übernachtung von Karsamstag auf Ostersonntag im Gemeindehaus. 
 
Abends traf sich ein fröhliches Grüppchen. Zuerst gab es eine Runde Tischkicker mit den Allerkleinsten. (Zugegebenermaßen keine Jugendlichen, sondern der Nachwuchs der, geistig jugendlich gebliebenen, Betreuer)
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Und da man in Fahrenbach nichts, wirklich NICHTS, machen kann, ohne die unvermeidliche Pizza, gab es selbige natürlich auch heute.
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Leider hat sich das junge Gemüse immer noch nicht abgewöhnt, mich wegen meiner geliebten Pizza Hawaii aufzuziehen. Hallo? Ich bin ein Kind der 80er. Ich DARF Ananas auf Pizza gut finden. 
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Gemütliches Beisammensitzen. Ich hab übrigens mal wieder was für "die Jugend von heute ist so fürchterlich"-Fraktion:
 
Zwei Teilnehmerinnen unterhielten sich begeistert. Eine sagte:"Ich hab mir den Wecker gestellt um es mir live anzugucken." Neugierig, wie ich nur mal bin, fragte ich, um was es denn geht. Ich hatte sowas wie ein Promi- oder Influencer Event im Kopf. Vielleicht auch noch eine Sportveranstaltung. Weit daneben: es ging um den Start der Mondrakete! Da war selbst ich platt. 
 
Habe ich schon mal erwähnt, wie aufgeschlossen, an ihrer Umwelt interessiert und intelligent ich unsere Jugendlichen oft erleben darf? (Okay, schon drölfundzwanzig mal. Aber man kann es einfach nicht oft genug sagen.)
 
Weiter ging es mit gemeinsamen Spielen. Bei einem musste man Rocksongs nach dem Erscheinungsjahr sortieren. Unnötig zu sagen, dass ich, älteres Semester, unwesentlich im Vorteil war und, im Team mit meinem Sohn, den Kids gezeigt habe, wo der Hammer hängt.
 
Da man ja nicht erwarten kann, dass die armen Jugendlichen von einer Pizza auch nur annähernd satt werden, durfte eine Gruppe noch schnell zum Supermarkt laufen um die, ebenfalls unvermeidlichen, Chips zu besorgen.
 
Währenddessen kümmerten sich die Pyromanen unter uns schon mal um das Osterfeuer.
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Das offene Feuer ist immer etwas ganz Besonderes, finde ich. Nur die ständig vorbei rasenden Einsatzfahrzeuge störten die Atmosphäre ein wenig.
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Kurz vor 22:00 Uhr lief allerdings noch etwas anderes heiß. Nämlich die Gemüter von unserem Pfarrer Michael Roth-Landzettel und mir. Weil von der, zum Netto entsandten, Gruppe Jugendlicher Null Komma gar nichts zu sehen war. Und das geht einfach nicht: bei einer kirchlichen Veranstaltung den Gottesdienst schwänzen, ist ein No-Go. 
 
So ungefähr eine Minute vor Beginn, bekamen wir eine Nachricht von den Vermissten: Sie bemerkten unterwegs, dass in einem Wohnhaus ein Feuer ausgebrochen war. Also haben sie die Bewohner aus dem Bett geklingelt und die Feuerwehr verständigt. Anschließend sind sie, bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, dort geblieben, damit die Betroffenen nicht alleine bleiben mussten.
 
Ich bin nicht nur von der Courage und Geistesgegenwart der jungen Menschen zutiefst beeindruckt, sondern hatte auch Gänsehaut. Niemand weiß, wie sich die Situation entwickelt hätte, wenn Gott sie nicht genau zu diesem Zeitpunkt, an genau diesem Ort geleitet hätte.
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Nach so viel Adrenalin, fiel es uns kurz schwer, wieder zur Besinnung zurück zu finden. 
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Als dann unser Vikar Michael Meinzer aber mit der Predigt begann, und von der Rückkehr des Lichts erzählte, kam mir der Gedanke: Die Osternacht war genau der richtige Zeitpunkt für diese aufregende Geschichte. Nichts hätte uns eindrücklicher daran erinnern können, dass wir auch füreinander Licht sein sollen. "Ihr seid das Licht der Welt." (Matthäus 5,14).
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Die Osterkerze wird am Osterfeuer entzündet. Danach zogen wir feierlich in die dunkle Kirche ein und jeder Gottesdienstbesucher durfte seine eigene, kleine Osterkerze an der großen anzünden.  Für mich immer eins der Highlights (im wahrsten Sinne des Wortes) im Kirchenjahr. Das sich langsam in der Kirche ausbreitende Licht, hat eine unglaubliche Symbolkraft.
 
Da ich auch dieses Mal die besondere Stimmung nicht mit hektischem Foto -Gekruschtel stören wollte, gibt es keine Bilder vom Gottesdienst. Die Atmosphäre hätte man sowieso nicht einfangen können, die muss man erleben. Das nur als Tipp für alle, die bislang noch nie in einem Osternacht Gottesdienst waren.
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Wie immer in der Jugendarbeit, blieb die Besinnung ziemlich kurz, und es ging vorm Gemeindehaus am Osterfeuer gemütlich weiter.
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Ein paar Nachteulen haben bis zum Sonnenaufgang durchgehalten. 
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Zum Glück kann man auch frühstücken, ohne vorher geschlafen zu haben. Erkenntnis des Morgens: wie konnte ich nur so naiv sein, keine Wechselklamotten für meinen Sohn einzupacken? Er hat den ganze samstagnachmittag vor dem Gemeindehaus Fußball gespielt und sah dementsprechend aus. Zum Glück fanden sich ein paar Nachbarskinder zum draußen Spielen, so dass ich ihn nicht mit in die Kirche nehmen musste. Dadurch bleibt mir, höchst seriöser Kirchengemeinderätin, erspart mit dem kleinen Dreckspatz im  Ostergottesdienst zu erscheinen. (Die Mamas und Papas unter Euch wissen, wovon ich rede.)
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Der Ostersonntagsgottesdienst wurde heute von unserem, leicht unausgeschlafenen, Michael Roth-Landzettel höchst persönlich gehalten und war, wie immer, sehr schön und stimmungsvoll. Auch durch die tolle Musik von unserem Posaunenchor.
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Einen kleinen Lacher gab es beim Segen am Schluss. Michaels Tochter war wohl der Meinung, dass sie jetzt sofort ihren Papa braucht, und schlüpfte kurzerhand unter seinen Talar.
 
Aber wer unseren Micha kennt, weiß, dass ihn nichts aus der Fassung bringt. Seelenruhig segnete er weiter. Er hat damit, eindrücklicher als tausend Worte es könnten, zu Ausdruck gebracht, dass bei uns jeder willkommen ist. Und das bei uns jeder sein darf, wie Gott ihn gemacht hat.
 
In unserer Kirche sollen sich Eltern niemals komisch fühlen, weil ihre Kinder im Gottesdienst nicht mucksmäuschen still sind. 
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Diese Osternacht gab viel Stoff zum Nachdenken. Wie schnell doch die Gefühle von Spaß, über Ärger, Betroffenheit hin zu Dankbarkeit wechsel können...
 
Eure Melly