Abschiedsschmerz und Hitzekoller - Segelfreizeit Tag 5
- 30.05.2026 -
Nur wer geht, kann wieder kommen.
Unser letzter Morgen an Bord. Ein paar unserer passionierten Angler standen um kurz nach fünf Uhr schon mit Ihren Ruten am Wasser. Liebe Eltern, Ihr seht, Eure Kids KÖNNEN durchaus so früh aufstehen. Wenn sie wollen...
Ich genoss noch ein wenig die Stille des jungen Tages auf unserer privaten "Island of dreams". Sogar den Kuckuck hörte man im morgendlichen Vogelkonzert.
Ein Moment der Stille, bevor nachher das Pack- und Aufräumgetümmel ausbricht. Gelegenheiten für mich, die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Mein Fazit: der Herr hat uns allen eine wunderschöne und ganz besondere Zeit geschenkt. Mit wundervoller Gemeinschaft, herrlich verrückten Erlebnissen und Hochsommerwetter mitten im Mai. Das sind die Momente an denen mir mal wieder bewusst wird, warum ich die Jugendarbeit so liebe. Ich schätze die Ehrlichkeit der jungen Menschen. Begegnet man ihnen mit Liebe und Zuwendung, reagieren sie genau so. Nicht einmal musste ich laut, böse oder "streng" werden. Habe ich um etwas gebeten, wurde es so gut wie immer mit einem freundlichen Lächeln erledigt.
Unser letztes Frühstück an Bord.
Wir danken in einer gemeinsamen Andacht für die tollen Erlebnisse. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass ich dabei das eine oder andere Tränchen verdrücken musste.
Unser Tony sorgt für die musikalische Begleitung.
Ein letztes Mal besprechen wir uns mit dem Skipper über den geplanten Tag.
Vorher habe ich die ganze Bande zum Gruppenfoto genötigt.
Ein letztes Mal setzen wir Segel. Das sind mir eindeutig zu viele letzte Male heute.
Dann geht's ans Deckschrubben. Aber im Gegensatz zu Zuhause, wo jeder die Flucht ergreift, wenn es ans Saubermachen geht, herrschte bei uns Bombenstimmung.
Vielleicht lags auch daran, dass jede Betätigung mit Wasser heute mehr als willkommen war. Die letzten Tage war es heiß und trocken. Heute kündigte sich ein Gewitter an und es war drückend als wären wir in den Tropen und nicht an der Nordsee.
Wir hatten die Erlaubnis, laute Musik anzumachen. Ich habe über den Musikgeschmack unserer Kids gestaunt. Scheinbar sind die 90er wieder in. Und noch ältere Sachen. Zu "Dancing Queen" von ABBA lässt sich hervorragend Deckschrubben.
Woran merkst du, dass du als Betreuer scheinbar alles richtig gemacht hast: Du singst die Lieder mit, gröhlst aus vollem Herzen "I'm still standing" und das junge Gemüse antwortet dir sofort:"yeah, yeah, yeah!!!!" anstatt dich nur peinlich berührt anzustarren.
Vom Herrn des Wasserschlauchs habe ich mir hin und wieder einen Beinguss geholt. Es ist, wie schon erwähnt, unerträglich heute.
Alle machen mit.
Ich habe schon überlegt, ob ich die motivierten Heinzelmännchen mal zu mir nach Hause bestellen kann...
Nachdem das Deck wieder glänzt wie neu, haben wir uns eine Pause verdient.
Bevor es dann drinnen weiter geht.
Micha spült und putzt die Küche. Ich helfe ihm und merke da schon, dass mir die Luft unter Deck nicht gut tut. Es ist so heiß und dampfig, dass ein türkisches Dampfbad dagegen wie ein Witz erscheint.
An Deck ist es wesentlich angenehmer.
Wir nähern uns unserem Ausgangspunkt Kampen.
Es wird immer schwüler.
Wir haben angelegt, jetzt folgt der unangenehme Teil: Abschied von Crew und Schiff nehmen, und gefühlte 20 Kubikmeter Gepäck zu Bus transportieren.
Dass mir die Luft nicht gut tut, hatte ich ja schon erwähnt. Nachdem ich auch noch Gepäck geschleppt hatte, waren meine Bronchien wohl der Meinung, dass Ende Gelände ist und reagierten mit einem Asthmaanfall. Ich stand also, röchelnd wir ein Walross, am Steg und konnte nicht weiter. Da zeigte sich mal wieder, was für tolle Menschen unsere Jugendlichen sind. Sofort kamen sie besorgt an, nahmen mir das Gepäck ab und begleiteten mich zu einer Bank im Schatten. Genau so habe ich sie die ganze Woche schon wahrgenommen: aufmerksam, fürsorglich und sehr sozial.
Ich habe dann die Überwachung des Gepäcks vorm Bus übernommen.
Da bekommt der Begriff "Hafenschlepper" doch gleich eine ganz neue Bedeutung.
Gefühlt hat sich unser Krempel in den 5 Tage exponentiell vermehrt.
Wir sind alle erleichtert, als wir endlich im Bus sitzen und die Klimaanlage läuft. Das Thermometer zeigt unglaubliche 35 Grad. Besonders schnell kommen wir allerdings nicht voran.
Wir stehen im Stau, im Stau, im Stau und nicht dahinter....
Endlich haben wir ein Burgerrestaurant gefunden. Ganz unserer Chaostradition folgend, hat es auch dafür mehrere Anläufe gebraucht. Erst war mal wieder kein Parkplatz für unseren Bus zu finden, und dann bei der anvisierten Tankstelle der Diesel alle.
Schlussendlich waren aber alle, Kids und Bus, gefüttert und wir machten uns auf die letzte Etappe Richtung Heimat.
Wieder mal gab mir die Playlist der jungen Leute zu staunen: Bon Jovi, Rednex, ABBA und noch mehr Kram aus meiner Jugend. Und textsicher sind sie auch noch. Für mich einer der magischen Momente: wenn auf einmal der ganze Bus zusammen singt. Ohne dass wir Erwachsenen das angeregt hätten. Wieso die Kids von heute auf "Griechischer Wein" stehen, erschließt sich mir allerdings nicht ganz. Egal, hab's trotzdem mitgegröhlt.
Um 23.00 Uhr konnten wir alle Jugendlichen wohlbehalten und fröhlich in Strümpfelbrunn abliefern.
Liebe Eltern: Ihr habt tolle Kinder! Ich werde die ganze Bande unglaublich vermissen.
Zuhause schließe ich die Tür auf, sehe die Post durch, hole die Schmutzwäsche aus dem Seesack und räume schnell den Geschirrspüler aus.
Und dann schließe ich die Augen und höre wieder das Platschen der Wellen, rieche das Wasser, spüre die Sonne und bin wieder auf unserer Alliantie...
Eure Melly


































