Vortrag von Dr. Albrecht Ernst - Spanndes, Berührendes und Nachdenkliches aus der 200-jährigen Geschichte unserer Kirche

- 10.05.2026 - 

Letzten Montag wurde Geschichte lebendig bei uns in Fahrenbach.

Quelle: Uwe Köbler

200 Jahre Evang. Kirche Fahrenbach  
 
Fahrenbach.kö. Gleich doppelten Grund zum Feiern hat im Jahr 2026 die evangelische Kirchengemeinde in Fahrenbach. Zum einen begeht der Evang. Posaunenchor Fahrenbach-Trienz mit etlichen Events sein 125-jähriges Jubiläum und zum Zweiten wird das ehrwürdige Gebäude der Kirche in der Ortsmitte von Fahrenbach 200 Jahre alt. Genau am 29. Oktober 1826 erfolgte die Einweihung der neuen Kirche – ein großer Tag für die evangelischen Christen in Fahrenbach und Trienz, wie Dr. Albrecht Ernst in seinem Vortrag unter dem Thema“ Vom konfessionellen Streit zur gelebten Ökumene“ herausarbeitete. Zum Vortrag „über die Kirche in der Kirche“ hatten sich fast 50 Interessierte versammelt um den Ausführungen eines der besten Kenner der Regionalgeschichte, wie Gerhard Schumacher bei der Begrüßung betonte, zu folgen. Veranstalter des Vortragsabends übrigens war der Ökumenische Männertreff Fahrenbach, der den Blick auf die gewaltige Leistung des Kirchenbaus für die kleine Bauerngemeinde in den Reigen seines abwechslungsreichen Jahresprogramms aufgenommen hatte.
 

Quelle: Uwe Köbler

Dr. Ernst bezeichnet den steinernen Jubilar einleitend als herausragendes architektonisches Kleinod des Klassizismus, das nicht zu Unrecht auf dem Grundstück Flst. Nr. 1 im Liegenschaftskataster von Fahrenbach steht. Der Kauf des Grundstücks in der heutigen Ortsmitte war mit 141 Gulden ein echtes Schnäppchen, wie der Historiker später noch bemerkte.  
 
Bis aber mit dem Bau mit dem für die Region so typischen Buntsandstein begonnen werden konnte, blickten die Gemeinden Fahrenbach und Trienz auf eine wechselvolle konfessionelle Geschichte. Schon früh fand sich die Pfarrei ob ihrer fast ausgeglichenen Anzahl von reformierten und katholischen Gläubigen im Zweispalt der Kirchenpolitik, die zunächst von der Jakobskirche, dem heutigen katholischen Gotteshaus, geprägt war. Das war nach der Reformation auch mal für 150 Jahre im evangelischen Besitz, ehe es 1705 bei der Religionsdeklaration amtlich den Katholiken zugeschlagen wurde. Die Reformierten aus Fahrenbach und Trienz dagegen mussten nach Lohrbach zum Gottesdienst oder behalfen sich mit Zusammenkünften im Amtshaus des Grafen, das auch als Wirtsstube diente. 1717 wurde ein Kirchlein aus Forlenholz gegenüber der heutigen „Alten Schmiede“ errichtet, das aber zum Ende des Jahrhunderts vom Einsturz – insbesondere beim Geläut der Glocken - bedroht war. Der zuständige Lohrbacher Pfarrer Joseph initiierte Sammlungen und die eigentlich armen Bauern- Gemeinden Fahrenbach und Trienz selbst trugen sprichwörtlich jeden Kreuzer zusammen. Allerdings war die mühselig zusammengesparte Summe von 3000 Gulden dem Heidelberger Baumeister Wundt zu gering und er ignorierte die Fahrenbacher Bitten um Bauentwürfe. Das missfiel vornehmlich den Kirchengemeinderäten Sigmund, Ebel, Weber und Ihrig und sie nahmen Kontakt zur Baumeisterfamilie Brenner in Amorbach auf. Deren Spross Karl Brenner , quasi der Praktikant seines Vaters , zeichnete die Pläne mit den Idealen des Klassizismus. Markant vor allem die Eingangsseite mit vier dorischen Säulen, konkaven Rinnen und Dreiecksgiebeln. Wesentlich bescheidener dagegen die Seitenfronten mit je fünf Fensterachsen. Im Februar 1825 begannen die Bauarbeiten mit denen der Mosbacher Zimmermeister Wilhelm Dell beauftragt war. Ihm standen die Maurermeister Georg Höllmüller und Georg Heinrich sowie die Sattelbacher Gebrüder Trunzer als Steinhauer zur Seite. Alle Handwerker waren hochmotiviert, denn nur so ist zu erklären, dass innerhalb eines Jahres am zentralen Kreuzungspunkt des Dorfes der Rohbau des harmonisch gestalteten Saalbaus aus rotem Sandstein entstand.  
 

Quelle: M. Waldenburger

 
Die Fahrenbacher Kirche war übrigens die einzige, die Karl Brenner , der später für den Bau vom Schloß Waldleiningen verantwortlich zeichnete, erbaute. „Sein erstes Großprojekt, das rundum gelang und somit einzigartig in Baden ist“ wie Dr. Albrecht Ernst bemerkte. Ob es sich um ein – wie oft gemeint wird- Gebäude im Stile von Friedrich Weinbrenner handelt, bezweifelt der Historiker. „Es gibt doch deutliche Unterschiede zu erkennen, so dass Brenner hier wohl seine eigene Komposition verwirklichte.“ Das angesparte Geld samt Rücklagen war bei Baukosten von 4.152 Gulden jedenfalls weg und deshalb mussten die Gäste bei der großen Einweihungsfeier ihr Essen selbst mitbringen. Auch die Inneneinrichtung der Kirche war daher eher karg. Einen Altar gab`s nicht, ein Tisch mit schwarzer Decke musste reichen, und auch die Orgel wurde erst Jahre später gebraucht erworben. Eine Ofenheizung kam erst 1894 dazu. Bis dahin mussten die Kirchenbesucher frieren. Besonders hart traf das die Trienzer, die ja immer einen Fußmarsch bei Wind- und Wetter hinter sich gebracht hatten.    
 
Eine eigene Kirchengemeinde bildeten Fahrenbach und Trienz ab dem Jahr 1865, als beide von der Mutterkirche in Lohrbach gelöst wurden. Die Entscheider bei der Landeskirche sahen Fahrenbach damals „ als protestantischen Vorposten gegenüber dem hinteren Odenwald“ an. Für die jeweiligen Pfarrer in Fahrenbach gab`s viel zu tun, denn sie mussten insgesamt auch 20 sog. Diasporagemeinden rund um Limbach und Mudau betreuen. In die kamen nach dem Krieg etwa 400 evangelische Heimatvertriebene dazu, was natürlich neue Herausforderungen brachte.   
 
 Dr. Ernst stellte dann noch die Vita der Pfarrer Peter Katz, Georg Pfannstiel und Hermann Stöhrer vor. An Pfarrer Katz, der später nach England emigrierte, erinnern noch heute zwei Ölbilder links und rechts der Kanzel. Eine Freundin der Katz`schen Familie hatte nach Vorlagen von Dürer und Thoma die „Kreuzigung“ und „Petrus auf dem Meer“ gemalt. Die Bilder wurden erst vor wenigen Jahren im Speicher der Kirche gefunden und wieder in Szene gesetzt, genau wie zwei bemalte Kirchenfenster aus dem ehemaligen Kirchsaal in Trienz mit den Motiven „Brot und Wein“ die jetzt ein echter Blickfang im Fahrenbacher Kirchenraum geworden sind. In dem wurde in all den Jahren auch immer viel Wert auf gute Kirchenmusik mit Posaunenchor , Kirchenchor und Singkreis sowie die Organisten gelegt.  
 

Quelle: M. Waldenburger

 
In Fahrenbach ,so beendete Dr. Ernst seinen, mit fundiertem Wissen gespickten und bestens ausformulierten, kurzweiligen Vortrag, dem auch der Humor nicht fehlte, war das ökumenische Miteinander immer wichtig. Zwar gab es auch den ein oder anderen Zwist, u.a wegen der Nutzung der Glocken, doch man fand immer ins Gespräch. Pfarrer Katz hat das in einem Zitat am trefflichsten beschrieben: „Das Verhältnis zur anderen Konfession gleicht einer gespannten Saite, auf der man ja mancherlei, auch schöne Musik machen kann“. Seit 2013 übrigens vereinbarten die beiden Kirchengemeinden schriftlich die Zusammenarbeit, die man u. a. mit dem Frauencafe, dem Männertreff, und dem Besuchsdienst und vielem mehr auch mit Leben erfüllt. Natürlich will man mit der Kirche zukunftsfähig werden, und deshalb laufen derzeit auch Planungen zur Umnutzung als multifunktionell nutzbares Gebäude. Am markanten Erscheinungsbild des steinernen Jubilars ändern die aber nichts ! 
 
 Uwe Köbler