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Evangelische Kirchengemeinde

74864 Fahrenbach

Gottesdienste und Kirchen
E-Mail: pfarramt@ev-fahrenbach.de

Der Hauptgottesdienst in Fahrenbach ist immer am Sonntag um 10.00 Uhr

Siehe auch:

Kirche Fahrenbach

Dieser Anblick ist vom Mittelgang unserer Kirche in Fahrenbach auf Altar, Kanzel und Taufbecken.

Unsere Kirche wurde 1826 erbaut und 1992 zuletzt renoviert.

Bei dieser letzten großen Aktion kamen einige Erneuerungen zum Zuge. 

  • So haben wir nun auch eine Mikrofonanlage. Das ist zunächst günstig für alle, die beim zuhören Schwierigkeiten haben. Für sie ist in besonderer Weise gesorgt.

  • Tagsüber haben wir unsere Kirche geöffnet. Wenn sie in Ihrer Andacht die Ruhe der Kirche nun genießen wollen, merken sie, dass diese mit ganz leiser Musik getragen wird.

  • Nach dem Eingang gleich links führt eine Türe zur sogenannten "Krabbelkirche". Sie besteht aus einem Raum innerhalb des Kirchengebäudes, der durch ein großes Glasfenster (mit Isolierglas) abgetrennt ist, damit möglichst wenig an Geräuschen  in den Kirchsaal dringt. Zu gleicher Zeit wird über die Verstärkeranlage der Gottesdienst in diesen Raum übertragen. Für Mütter oder Väter mit Kleinkindern ist diese Möglichkeit dem Gottesdienst zu folgen, ein besonderes Angebot.

 

Zum Ostergottesdienst 2004, der durch Kirchenchor und Posaunenchor festlich umrahmt war, wurden die Bilder (bitte anklicken)  links und rechts von der Kanzel aufgehängt. 

Für Kinder, die gerne Selbständig Gottesdienst erleben möchten ist parallel zum Hauptgottesdienst im Gemeindehaus nebenan der Kindergottesdienst.

Mehr als 180 Jahre unser jetziges Evang. Kirchengebäude in Fahrenbach

Nach der kargen geschichtlichen Quellenlage soll nach der Reformation Fahrenbach über ca. 90 Jahre eine eigene evangelische (zeitweise lutherische bzw. reformierte) Pfarrei gewesen sein, zu der zahlreiche umliegende Orte gehört hatten. Dieser Pfarrei war das wohl vorreformatorische Kirchengebäude am Platz der heutigen katholischen Kirche zu eigen. Teile des Kirchturms stammen noch von dieser ersten Kirche.

In Folge der Religionsdeklaration von 1705 wurden die vorhandenen Kirchengebäude zwischen den bestehenden Bekenntnissen aufgeteilt. In unserer Gegend erhielten die Katholiken die Kirche in Fahrenbach zugeteilt, während die Lohrbacher Kirche den Reformierten zugeeignet wurde. Für beide Konfessionen befand sich jedoch damals der Pfarrsitz in Lohrbach.

Die evangelischen Christen in Fahrenbach und Trienz (in Robern war im Oktober 1692 mit der Witwe des Johannes Haas der letzte reformierte Einwohner gestorben) standen nun ohne eigene Kirche da. Sie hatten nur noch das Recht, ihre Toten im »Kirchhof« der nun katholischen Fahrenbacher Kirche zu bestatten. Und die nun katholischen Kirchenglocken mussten auch bei einer solchen evangelischen Beerdigung läuten ‑ was ja bis heute noch geschieht.

So wanderten nun Sonntag für Sonntag die evangelischen Kirchgänger von Trienz über den Kirchenpfad nach Fahrenbach und von dort zusammen mit den Fahrenbachern über den Kirchweg (Lohrbacher Weg) zum Gottesdienst in Lohrbach.

Unter diesen Umständen war der Wunsch nach einer eigenen evangelischen Kirche in Fahrenbach verständlich; schließlich war etwa die Hälfte der Einwohnerschaft von Fahrenbach und Trienz evangelischen Glaubens. Doch als sogenannte »ausgefallene Gemeinde«, der also bei der Kirchenteilung kein Gotteshaus zugeteilt worden war, hatten die Evangelischen hier keinen Anspruch auf Finanzierung oder Bezuschussung eines Kirchenbaues. Wollte man eine Kirche, musste man für die Kosten selbst aufkommen.

Als die Fahrenbacher Evangelischen im Jahre 1717 trotzdem an den Bau einer eigenen Kirche gingen konnte diese unter diesen Umständen nur dürftig und klein ausfallen. Auf dem Platz gegenüber dem Gasthaus »Zur Krone« (heute Diskothek »Alte Schmiede«), in »Kirchendiener Ebels Grasgarten«, baute man eine kleine Kirche. "Die Wände bestanden fast ganz aus Forlenholz, und entsprechend armselig war ihre ganze Ausstattung", wie Pfarrer Kappes in seiner 1895 verfassten Fahrenbacher Kirchengeschichte schrieb. Doch trotz dieser einfachen Bauweise war die arme Kirchengemeinde über 70 Jahre lang verschuldet und die evangelischen Gläubigen bis 1790 mit dem Abtragen dieser Kirchenbauschuld belastet.

Nach einem Jahrhundert war schließlich dieses Kirchlein baufällig und auch für die angewachsene Gemeinde zu klein geworden. Der damalige Pfarrer Joseph in Lohrbach, auch für Fahrenbach zuständig, musste im Jahre 1818 berichten: "Unsere alte Kirche ist im Jahre 1717 gebaut aus Wänden von Forlenholz, welches bereits vermodert ist. Der Dachstuhl ist verfault und so mürbe, dass niemand mehr das Herz hat, sich auf denselben zu wagen. Das Kapellenthürmchen, ebenfalls ganz aus Holz, wackelt gegenwärtig hin und her, wenn die Glocken angezogen werden, und wir müssen befürchten, dass dies Thürmchen bei einem Zusammenläuten oder durch einen heftigen Windstoß herabgeworfen wird und so unsere Glocken zu Schaden kommen. Dabei ist sie für die dermalige Bevölkerung viel zu eng, und wir befanden uns schon öfters bei großen Versammlungen in Verlegenheit, wie wir die Leute unterbringen sollen."

Nun begann für die Kirchenältesten in Fahrenbach und für Pfarrer Jakob Albert Joseph (1815‑1832), der am 3. Januar 1819 seine neue Kirche in Lohrbach einweihen konnte, ein jahrelanger mühevoller Kampf um ein neues Kirchengebäude in Fahrenbach. Frühere Anträge waren wegen unzureichender Mittel immer abgelehnt worden. Als schließlich im Jahre 1813 eine Schüsselkollekte für einen Fahrenbacher Kirchenbau vor allen reformatorischen Kirchentüren der niederrheinischen Provinz (Gebiet von Mannheim bis »badisch Sibirien«) genehmigt worden war, musste sie wegen anderer Vorhaben Jahr um Jahr verschoben werden. Schließlich versprachen die Fahrenbacher Evangelischen, für jedes Familienmitglied, "was über fünf Jahre alt ist", drei Jahre lang jeweils zu Martini 10 Kreuzer zu geben. Von 210 beitragspflichtigen "Seelen" kamen so jährlich 35 Gulden zusammen. Die Trienzer schlossen sich mit jährlich 15 Gulden 40 Kreuzern an. Bis zum Jahre 1822 hatte man schließlich 2850 Gulden für den Kirchenbau zusammengebracht, so dass endlich an einen Neubau gedacht werden konnte.

Doch nun drängte das Stadt‑ und Landamt Mosbach darauf, statt einer Kirche zuerst ein evang. Schulhaus zu bauen. Bis dahin waren immer Schulmeister berufen worden, die für den Schulunterricht ihre eigene Wohnung zur Verfügung stellten. Der bisherige Schulmeister Georg Adam Weber hatte in einem Zimmer des von seiner Familie 1707 erbauten "Grünen Baum" Schule gehalten. Als er im Jahre 1822 mit nunmehr 74 Jahren in Ruhestand gehen wollte, sollte sein Enkel und »Provisor« Johann Georg Sigmund den Schuldienst übernehmen und in den bisherigen Räumen abhalten. Auf diese Weise konnte ein Schulhausbau, der bei Übertragung des Schuldienstes an einen auswärtigen Schulmeister gedroht hätte, vermieden werden. Das Ministerium des Innern in Karlsruhe entschied schließlich im Oktober 1822 gegen das Stadt‑ und Landamt Mosbach, Sigmund wurde Schulmeister, ein Schulhausneubau war nicht notwendig, der Neubau einer Kirche hatte Vorrang.

Doch nun verzögerte der mit der Planung beauftragte Baumeister Wundt bis in den Herbst des Jahres 1824 nachhaltig die Ausführung, so dass die Kirchengemeinde schließlich einen anderen, den fürstlich leiningischen Baumeister Brenner in Amorbach, mit der Planung, die sich an die kürzlich fertiggestellte Mörtelsteiner Kirche anlehnen sollte, beauftragte. Endlich erschien im »Großherzoglich badisches Anzeigeblatt für den Neckar‑ und Main‑ und Tauberkreis« die Ausschreibung der Arbeitsvergabe für den Kirchenbau, wobei Tagfahrt auf den 19. Februar 1825, früh 9 Uhr vor Ort in Fahrenbach festgesetzt war. Hierbei wurden die Maurerarbeiten dem Maurermeister Wilhelm Dell aus Mosbach zugeschlagen.

Für den Kirchenbau wurde im Kreuzungspunkt der Haupt-straße und des Weisbacher‑ und Mühlenwegs  (heutige Adolf‑Weber‑ und Bahnhofstraße) ein idealer Platz erworben. Hier schritten nun die Bauarbeiten sehr zügig voran ‑ und schon für den 29. Oktober 1826 konnte das Dekanat Mosbach die feierliche Einweihung der neuen Kirche festsetzen. Die Kirchenbaukosten hatten sich lediglich auf 4296 Gulden 49 Kreuzer belaufen, eine auch für damalige Verhältnisse niedrige Summe. Doch an Deckungsmitteln standen der Kirchen-gemeinde lediglich 3549 Gulden eigene Kirchenbaumittel zur Verfügung. Es verblieben der armen Gemeinde also erhebliche Schulden, die auch durch einen Zuschuss von 200 Gulden nicht auszugleichen waren, die aus Karlsruhe kamen "mit dem Bedauern, dass wegen der drückenden Verhältnisse nicht mehr geleistet werden könne". So blieb für die Inneneinrichtung der Kirche nichts übrig. Als Altar musste ein mit einer schwarzen Decke belegter Tisch dienen. Die alte, gebrechliche Orgel musste aus dem bisherigen Holzkirchlein herübergenommen werden. Auch die beiden alten Glocken der Holzkirche wanderten hinüber in den Turm der neuen Kirche, der nun auch die gemeindeeigene Turmuhr, die sich bisher im Turm der katholischen Kirche befand, aufnahm.

In der Einladung des rührigen Pfarrers Joseph zur feierlichen Einweihung des neuen Gotteshauses am 29. Oktober 1826 ‑ in der Diktion der damaligen Zeit ‑sind die drückenden finanziellen Sorgen der hiesigen Kirchengemeinde sehr deutlich erkennbar. Darin schreibt er unter anderem: "Gerne würde der kirchliche Vorstand es über sich genommen haben, für eine anständige Bewirtung aller dieser Feierlichkeit beiwohnenden Standespersonen zweckmäßige Sorge zu tragen, hätte nicht leider dieser Kirchenbau die pekuniären Mittel dieser Gemeinde allzu sehr erschöpft und wären nicht noch von den Gemeindegliedern so bedeutende Opfer zu bringen, die mit dem Wohlstand der gegenwärtigen Zeit kaum vereinbarlich sind. Der ergebenst Unterzeichnete, der die Verhältnisse seiner Gemeinde genau kennt, fühlt sich gedrungen, bei seiner herzlichen Einladung dieses Umstandes in der zuversichtlichen Überzeugung zu erwähnen, dass diejenigen verehrungswürdigen Herrn und Damen, welche an dieser Festlichkeit Anteil nehmen, von dem reinsten Geiste beseelt, sich einen frohen und angenehmen Tag der Unterhaltung schaffen werden, ohne irgend eine Beihilfe außer der ihrigen, und er glaubt sogar hier auf den Beifall aller bei dieser Einweihung sich einfindenden Herrn rechnen zu dürfen, wenn er den unmaßgeblichen Vorschlag thut, durch Mitbringung des nötigen Mundbedarfs diesem unumgänglichen leiblichen Bedürfnisse abzuhelfen. Und um auch hier einige Mannigfaltigkeit zu erzielen und den Bruchstücken das Ansehen einer würklichen Mahlzeit zu geben, möchte es räthlich sein, wenn die hierzu Lust- und Beytragenden Herrn unter sich bestimmen wollten, was ein jeder zu diesem Liebesmahle, wie sie schon in der frühesten christlichen Zeit bestanden, beitragen wolle."

Für die Organisation dieser Kirchenweihe bestimmte Pfarrer Joseph am 22. Oktober 1826 im letzten Gottesdienst in der alten Holzkirche folgendes: "Es werden die kirchlichen Feierlichkeiten nebst dem abzuhaltenden Gottesdienste praecise 10 Uhr ihren Anfang nehmen. Die Kirchengemeinderäte von beiden Orten, hier und Trienz, versammeln sich um halb zehn Uhr in dem dahiesigen ev. Schulhaus (das war damals das schon erwähnte Schulzimmer des Schulmeisters Weber im "Grünen Baum"). Desgleichen haben sich die Herrn Schullehrer nebst der Schuljugend von beiden Orten allda einzufinden. Ebenmäßig versammelt sich die ganze Gemeine mit dem 2ten Geläute vor dem Schulhause auf der Straße, um in Einem Zuge in die Kirche zu gehen, wobei die Männer und die Männliche Jugend den Vortritt hat, die Weiber und die weibliche Jugend beschließt den Zug. Um Ordnung zu handhaben, werden Aufseher in die Kirche gestellt, um die Plätze anzuweisen und dem etwa entstehen mögenden Gedränge vorzubeugen. Man versieht sich daher zu sämtlichen Gemeindegliedern, dass sie diesen bestellten Aufsehern in ihren Weisungen sich fügen werden. Es wird ein besonders zum gottesdienstlichen Gebrauche dieses Tages bestimmtes Lied in der Kirche abgesungen, das am Sonntage Morgens bei dem Herrn Schullehrer Sigmund in Empfang genommen werden kann. Der Preis für jedes einzelne Exemplar ist auf 2 Kr. festgesetzt, und der Erlös ist unserm kirchlichen Fond bestimmt, weshalb man hofft, dass dieses Lied, welches zugleich auch ein freundliches Andenken an die Feier dieses Tages ist, reichliche Abnehmer finden werde. So hat man auch zu der Gemeinde das tröstliche Vertrauen, dass sie an diesem freudevollen Tage bei der zu erhebenden Klingelbeutelsammlung ihre Gaben umso reichlicher mitteilen werden, als es unser kirchliches Vermögen so notwendig bedarf, da dieser Kirchenbau es beinahe gänzlich erschöpft hat und nicht einmal die dringendsten Kosten dieser Kircheneinweihung mehr bestritten werden können."

Einen Bericht über den Verlauf dieser Feier gibt es nicht ‑ schließlich gab es zu jener Zeit noch keine regionalen Tageszeitungen, die einen solchen Anlass mit Text und Bild dokumentiert hätten.

Zu dem erwähnten Lied schreibt der Chronist Pfarrer Kappes im Jahre 1895: "Das erwähnte Festlied, von Pfarrer Joseph selbst gedichtet, ist leider auch nicht mehr vorhanden." Da aber angenommen werden kann, dass unsere Vorfahren ein solches Liedblatt nicht einfach weggeworfen, sondern es vielleicht nach der Kirchenweihe daheim in das Gesangbuch oder in die Hausbibel gelegt haben, sollten nun die alten Fahrenbacher Familien einmal darin nachsehen, ob sich vielleicht nicht doch ein Exemplar dieses orts‑ und kirchengeschichtlich wertvollen Liedes erhalten hat.

Schon im folgenden Jahr musste trotz der finanziellen Misere die alte Orgel ersetzt werden; man kaufte von der katholischen Gemeinde Waibstadt deren alte Orgel um 335 Gulden. Der Orgelbaumeister Overmann aus Heidelberg "musste ihr sozusagen die Beine absägen, um sie in den beschränkten Platz zwischen Empore und Decke zu bringen". Erst im Jahre 1859 ‑ 33 Jahre nach der Weihe ‑ konnte, nachdem die Karlsruher Kirchenbehörde 50 Gulden zugeschossen hatte, ein richtiger Altar als "eine wirkliche Zierde des an sich einfachen, aber hübschen Kirchleins" angeschafft werden.

Seit über 180 Jahren ist nun diese Sandsteinkirche mit ihrem interessanten Portal im Weinbrennerstil das Gottesdiensthaus unserer Kirchengemeinde. Bei der letzten Renovierung wurde der Innenraum wieder weitgehend in den ursprünglichen Zustand, wie er bei ihrer Einweihung bestanden hatte, zurückgestaltet. Unsere Kirche, in der sich Generationen unserer Vorfahren zum Gebet und Gottesdienst versammelt haben, lädt uns ein ‑ sonntags zum Gottesdienst und jeden Tag in die offene Kirche zum Besuch, zum andächtigen Verweilen und zum Gebet.